Betrachtet man die Situation in der Arzt-Patienten-Beziehung heutzutage, sind die Therapieentscheidungen hauptsächlich vom Fachwissen und auch vom „Bauchgefühl“ des jeweiligen Arztes abhängig. Mit dem heute verfügbaren medizinischen Wissen und den innovativen Technologien ist dieser „trial and error“ Ansatz bei der Therapiewahl nicht mehr zeitgemäß. Das Ärztenetzwerk NTD arbeitet daher an der Verknüpfung der o.g. medizinischen, inhaltlichen und patientenorientierten Aspekte, um den Patienten und Ärzten ein ganzheitliches System bieten zu können, welches die Vernetzung und Kommunikation zwischen Arzt und Patient fördert und den Patient auf Augenhöhe mit dem Arzt aktiv in den Behandlungsprozess einbindet (DESTINY®).

Das Hauptziel von DESTINY® ist die Verbesserung der Versorgungsqualität für die Patienten durch fach- und praxisübergreifende Zusammenarbeit sowie kontinuierliche Nutzung digitaler Unterstützungssysteme, um eine individualisierte Behandlung zu gewährleisten.

Der Arzt sollte hierzu von einem umfassenden System unterstützt werden, welches das gesamte medizinische Wissen zur Erkrankung beinhaltet, auf den einzelnen Patienten individualisiert und dem Arzt auf Knopfdruck zur Verfügung stellt. Dies ist das Konzept von DESTINY® (DatabasE-assiSted Therapy decIsioN support sYstem).

Heute beinhaltet DESTINY® ein ganzes Set verschiedener Module zur Unterstützung der Ärzte und Patienten (u.a. Therapie-Optimierung, Arzneimittel-Wechselwirkungen, Prädiktion des Krankheitsverlaufs, Biomarker-Testungen, Patienten-Portal mit bidirektionalem Datenaustausch und Visualisierung klinischer Daten, Informationen über neue Therapieoptionen und wissenschaftliche Erkenntnisse für den Patienten). Kernstück von DESTINY® ist die NTD-Registerdatenbank, mit der sämtliche Module über Schnittstellen verbunden sind. Mit DESTINY® konnte somit ein wertvolles Gesamtsystem zur Datenerfassung und Datenverarbeitung geschaffen werden, welches Arzt und Patient im Behandlungsprozess unterstützt, die Interaktion vereinfacht und die Beschleunigung und Steigerung des Behandlungserfolgs ermöglicht.

DESTINY® garantiert eine qualitativ hochwertige und nachvollziehbare Behandlung sowie stets aktuelle Informationen über neue Entwicklungen und Therapieoptionen für den Patienten. Gleichzeitig kann dies zur Reduktion der Krankenhauseinweisungen, AU-Tage und Arztbesuche sowie zur Senkung der Arzneimittelkosten beitragen. Zudem werden wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen, die ein besseres Verständnis der Erkrankung und ihrer Auswirkungen ermöglichen. DESTINY® ist darüber hinaus auch auf andere Krankheitsbereiche übertragbar.

PHREND® – Das prädiktive Modul zu DESTINY®

Das Softwareprogramm PHREND® unterstützt Ärzte darin, für ihre MS-Patienten genau das Medikament zu finden, das optimal auf die Krankheit und Bedürfnisse jedes einzelnen Patienten abgestimmt ist.

Für Ärzte ist es inzwischen oft gar nicht mehr so leicht, aus der Vielzahl der Mittel genau das auszuwählen, das einem Patienten aller Voraussicht nach am besten helfen wird. Insbesondere gilt das natürlich, wenn die Ärzte nicht auf die Therapie der MS spezialisiert sind, sondern eigentlich ein breites Spektrum an neurologischen Krankheiten behandeln und im Blick behalten müssen.

Die NTD hat daher gemeinsam mit dem Schweizer Unternehmen PricewaterhouseCoopers (PwC) einen Algorithmus namens PHREND® entwickelt, der die Ärzte bei der Auswahl der optimalen Medikation unterstützt. PHREND® steht für »Predictive Healthcare with Real World Evidence for Neurological Disorders«, auf Deutsch etwa: Prädiktive Gesundheitsversorgung bei neurologischen Erkrankungen mit Daten aus dem Therapiealltag. Zwar ist das Programm derzeit noch auf die Behandlung der schubförmigen MS beschränkt. Geplant ist jedoch, das ganze Spektrum der Multiplen Sklerose sowie andere Krankheitsbereiche abzudecken.

Es ist kein Zufall, dass der Name der Software an das englische Wort für Freund erinnert: Denn genau das soll es sein, eine Art Freund und Helfer des Arztes – der natürlich auch künftig gemeinsam mit dem Patienten die Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Medikament treffen soll. Es obliegt weiterhin dem behandelnden Neurologen, das Ergebnis, das der Algorithmus ermittelt, im Gesamtkontext zu beurteilen.

Um eine solche Prognose zu erhalten, gibt der Arzt zunächst einige Daten des Patienten ein, etwa das Geschlecht, das Geburtsdatum mit Monat und Jahr, den Zeitpunkt der MS-Diagnose, die aktuelle Therapie, eventuelle Vortherapien, den aktuellen EDSS-Wert, den Zeitpunkt des letzten Schubs und die Anzahl der Schübe in den vergangenen zwölf Monaten. Anhand dieser Daten erstellt die Software eine Grafik, aus der ersichtlich wird, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass der Patient in einem definierten Zeitraum von zwei bis vier Jahren unter einem bestimmten Medikament schub- und progressionsfrei bleibt. Arzt und Patient erhalten auf diese Weise so etwas wie eine unabhängige und qualifizierte Zweitmeinung, die sie gemeinsam diskutieren können. Auch Wünsche des Patienten kann PHREND® berücksichtigen. Zum Beispiel kann der Arzt eingeben, ob sein Patient Tabletten, Injektionen oder Infusionen vorzieht, ob er ein altbewährtes oder neueres Präparat bevorzugt, ob er bereit ist, engmaschige Blutkontrollen vornehmen zu lassen, und ob bei Frauen eventuell ein Kinderwunsch besteht.

Im Idealfall bleiben so maximal zwei oder drei Therapievorschläge übrig, aus denen Arzt und Patient gemeinsam ein Medikament auswählen können. Zusätzlich hat der Arzt die Möglichkeit, das Ergebnis auszudrucken oder es dem Patienten elektronisch zu übermitteln, sodass dieser es zu Hause noch einmal in Ruhe überdenken kann.

Auf diese Weise wird der Patient stärker und aktiver als bisher in die Behandlung seiner Krankheit miteingebunden. Dies verbessert nicht nur die Beziehung zwischen Arzt und Patient, sondern wird sich auch auf den Erfolg der gewählten Therapie auswirken. Zum einen steigt die Therapietreue. Und zum anderen gilt es als gesichert, dass ein Medikament umso besser wirkt, je überzeugter der Patient, der es einnimmt, von diesem Mittel ist.